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H is for Hardcore
14. Januar 2010 von Matthias

Gerne verwendet wird ja der Ausdruck “Normalsterbliche”, weniger als Gegensatz zu abnormal Sterbenden (durch Kokosnussbefall getötet oder Opfer einer tollwütigen Laborratte), sondern mehr, um den schnöden Plebs von den wirklich interessanten Menschen abzuheben, deren Tage nicht von Routine, sondern vom Glanz des Abenteuers geprägt sind. Blueslegende Robert Johnson zum Beispiel, der auf einer Kreuzung im amerikanischen Süden, so will es der Volksmund wissen, seine Seele dem Leibhaftigen verkauft hat, um die Gitarre so spielen zu können wie kein anderer, wird ja gemeinhin eher nicht als normalsterblich bezeichnet, sondern als, nun ja, Blueslegende eben. Auf seine ganz eigene, überhaupt nicht pr0n-verwandte Art war Johnson so gesehen ziemlich hardcore, weil Seele gegen ein bisschen Saitengezupfe zeugt schon von Leidenschaft.

Fun Fact about Thailand (II): kurz bevor es zu jener schicksalhaften Begegnung zwischen Belzebub und Bluesbub gekommen ist, war Robert Johnson ja auf Südostasien-Backpacking-Trip. Der dabei entstandene Songzyklus ist wegen des wenig satanischen Gitarrenspiels eher unbekannt geblieben, aber aus gegebenem Anlass möchte ich aus dem 12-Bar “Bangkok Blues” zitieren:

Got me a ping-pong ball and a few baht to my name,
I said: got me a squishy ping-pong ball and a few baht to my name
Got me this ping-pong ball and a few baht to my name (Lawd have mercy)
Down with the Bangkok Blues again

Got a few months left to live, Lawd, I’m in pain
I said, got me a few months left to live and I’m in pain
Got me this STD, the ladyboys again,
Got me some morphine from the cornershop
To try and dull the Bangkok Blues in vain

* * *

Während meinereiner auf Koh Tao die Haie ja nur aus relativ sicherer Entfernung von ein paar Metern freitauchend erlebt hat, zeigt Heinz, dass das H in seinem Namen für “hardcore” steht und bringt das “teuer” zurück ins Abenteuer, indem er wenige Stunden vor unserem Rückflug im Siam Paragon-Shopping-Center, mit dem wir so angenehme Avatar-Erinnerungen verbinden, für umgerechnet hundert Euro in der Siam Ocean World mit den Haien tauchen geht.

Das ist vor allem aus zwei Gründen bemerkenswert, die nichts mit Haien zu tun haben (weil ich auf Koh Tao, wenige Meter, freitauchend, eh schon wissen), nämlich erstens, weil seine Mittelohrentzündung noch nicht ganz abgeklungen ist und er Bade- und Wasserverbot hat (und zudem ja eben erst erkältet war und noch immer so rumhustet wie ein Lungenkrebserkrankter im Endstadium und zweck Nasenfreimachung zur Selbstmedikamentation greifen muss) und zweitens, weil ja zwischem jedem Tauchgang und einem Flug mindestens zwölf Stunden liegen müssen, aus Sicherheitsgründen, damit man nicht elendiglich an decompression sickness erkrankt und stirbt oder zumindest einige Tage und ein paar zehntausend Dollar in einer recompression chamber verbringen darf.

Zwischen dem Ende seines Tauchgangs und unserem Flug liegen acht Stunden.

Aber Heinz, der nie zaudernde Haudegen, sagt sich wohl, Leben sowieso überbewertet und Ohren hat man ja auch zwei, also macht er sich nicht in den Wetsuit, sondern tollt zum Gaudium der nicht so mutigen Oceanworld-Besucher in Südostsiens größtem Aquarium mit den Haien, Rochen und anderem Meeresgetier herum.

Wie sich das auf unseren Flug auswirkt, ob Heinz lebend, mit irreperablen Gehör- und/oder Lungenschäden in Österreich ankommen wird oder ob wir aus medizinischen Gründen in Russland notlanden müssen, das wird die Zukunft weisen.

Das Blogvolk darf in gespannter Erwartung verharren; da wir auf downtheroad.at unsere Reisen aber gerne mit medizinischen Katastrophen beenden (siehe November 2008), sollte nicht notwendigerweise mit einem Happy-End gerechnet werden.

* * *

Got me a ruptured eardrum and my lung collapsed, my friend
I said, got me a ruptured eardrum…
usw, man kennt das mittlerweile.

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