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James Bond
von Matthias

Die nachtschwarze See ist unruhig und stürmisch, als wir auftauchen. Gegen den rückwärts gerichteten Scheinwerfer des auf den Wellen schaukelnden Bootes zeichnet sich der fallende Regen als goldener Vorhang ab, die Küstenlinie lässt sich allenfalls anhand verinzelt glimmender Lichtpunkte am Horizont ausmachen. Es erfordert einige Anstrengung, mit der klobigen Ausrüstung zur Bootsleiter zu schwimmen, die wegen des hohen Seegangs beunruhigend gegen den Rumpf schlägt.

Um das Boot herum sind die anderen lediglich anhand der tanzenden Lichter ihrer Tauchlampen zu erkennen. Margaret bricht wenige Augenblicke nach mir durch die Wogen, ein breites Lächeln im Gesicht; nicht nur die Euphorie unseres ersten Nachttauchgangs, sondern auch die Erleichterung, mich wiedergefunden zu haben, sind aus ihren Zügen deutlich abzulesen. Wir haben einander auf den letzten Metern beim Auftauchen verloren.

“Never, ever, let your buddy out of your sight”, hat uns Tracy aus Australien, unsere Tauchlehrerin, beim Briefing vor dem Tauchgang noch einmal eingeschärft. “That’s especially important on a night dive. Your buddy is your responsibility – and you his or hers. I’ll be counting your torches every 30 seconds, and I want to see five torches on every time. If you turn off your torch and then dare to come back to the boat, I swear I’ll fucking kill you.” Okay, vielleicht hat sie auch nur “you’ll have to buy me a beer” gesagt, aber wir wissen alle, wenn Tracy etwas ernst meint. Und ihr Tonfall ist ein “I’ll fuicking kill you”-Tonfall.

Eigentlich sind wir mittlerweile ein ganz gut eingespieltes Team, Margaret und ich; das tolpatschige Herumtaumeln und Gegeneinander-Prallen unseres ersten Open Water Dives ist zwar nicht gerade der schwerwlosen Eleganz gewichen, mit der Tracy aus Australien, Kerri aus Irland und Jerry aus den USA, unsere Tauchlehrer, durch die Unterwasserwelt gleiten, aber im Großen und Ganzen haben wir die ganze Auftriebsgeschichte und wie wir unsere Position allein durch unsere Atmung kontrollieren können, ganz gut verinnerlicht. Diesmal aber beschlägt Margarets Tauchbrille nahezu in dem Augenblick, in dem die Wellen über unseren Köpfen zusammenschlagen, und trotz mehrfachem Abnehmen der Brille unter Wasser (eine nützliche Fertigkeit, die uns nicht umsonst ganz am Anfang beigebracht worden ist), gelingt es ihr nicht, sie dauerhaft klar zu bekommen.

Während der etwas mehr als 45 Minuten, die wir unter Wasser zubringen, bleibe ich dicht bei ihr, warte, wenn sie mit ihrer Ausrüstung kämpft und zeige ihr mehrmals die Richtung, in die die anderen unterwegs sind. Erst beim Auftauchen, beim dreiminütugen Sicherheitsaufenthalt in fünf Meter Tiefe, um dem überflüssigen Stickstoff Zeit zu geben, aus unseren Körpern zu verschwinden und decompression sickness vorzubeugen, lasse ich sie kurz aus den Augen, weil das Schauspiel der ins schwarze Nichts zeigenden Lichtstrahlen unserer Lampen und die scheinbar im luftleeren Raum hängenden Silhouetten unserer Tauchkollegen mich für einen Moment gefangen nehmen. Ohne den Grund sehen zu können, sei es erstaunlich einfach, die Orientierung zu verlieren und zu vergessen, wo oben und wo unten sei, wurden wir gewarnt, in Panik zu verfallen sei allerdings eine suboptimale Reaktion auf dieses Phänomen. Besser wäre es, vorläufig einmal anzunehmen, die Richtung, in die die Luftblasen sich bewegen, sei oben.

Und hier, schwebend in nahezu vollkommener Dunkelheit, das Leuchten meines Teams um mich herum, kann ich das zum ersten Mal wirklich glauben.

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Auf dem Tauchboot ‘Martini’s Law’

v.l.n.r.: James, Margaret, Feebie, Marie-Claire und Martine

Eine Aufnahme von unserem National Geographic KursDas Gefühl, nahezu mühelos über ein Korallenriff zu schweben, mit einmal tief Luftholen über ein Hindernis zu steigen und beim Ausatmen wieder leicht zu sinken, ist wieder einmal eine Empfindung, der meine bescheidene Beschreibungsgabe nicht gewachsen ist. Vielleicht, wenn ich mehr Zeit hätte, und mir meine Worte nicht hier im Internetcafe bei laufender Uhr zurechtlegen müsste (jede Minute ein Lemp, die honduranische Währung, Lempira wird bei uns Rucksackreisenden unweigerlich zu Lemps verunglimpft), vielleicht gelänge es mir dann, euch meine Begeisterung für diese vollkommen neue Welt nahezubringen, die sich mir hier erschließt. Aber wahrscheinlich eher nicht; die von euch, die tauchen, wissen, wovon ich rede, und die anderen müssen mit diesen zaghaften Zeilen vorlieb nehmen.

Ich wünschte nur, ich hätte zehn Jahre früher angefangen – das hier ist, von gewissen Tätigkeiten, die den Austausch von Körperflüssgkeiten beinhalten einmal abgeshen, unter den fünf großartigsten Sachen, die ich je gemacht habe. Warum erzählt einem sowas niemand? Mein ewiger Dank an meine Ausbildnerin Tracy, die mich nicht nur durch die Kurse gebracht hat, sondern mir die Begeisterung fürs Tauchen erst mitgegeben hat.

Eines der Boote am Dock

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Ein Wort zu Superlativen. Mir ist ja bewusst, dass ich damit um mich werfe, als gäbe es kein Morgen, und nur zu gern würde ich in der Tradition eines Hunter S. Thompson über die dunklen Seiten der menschlichen Seele und meine mitleiderregenden Reisedesaster berichten, ja ich fände durchaus eine gewisse Genugtuung darin, die wüste Ödnis des alleine Reisenden in all ihrer desolaten Wirklichkeit darzustellen, aber selbst meine Negativerfahrungen haben zumindest Abenteuercharakter und sind eher nicht der Rede Wert (unter Umständen ist das aber auch nur eine Einstellungsfrage und ich sehe das erst jetzt so). Von einer Spinne gebissen zu werden ist – nur so als Beispiel – mitunter durchaus schmerzhaft, und als ich alter Hypochonder, der ich nun einmal bin, wegen der nicht unbeachtlichen Schwellung drei Tage spaeter zu einem Doktor gegangen bin, den mir Jerry vom UDC (Utila Dive Center – rated no. 1 dive center in the world by PADI) empfohlen hat, habe ich ja maximal mit einem mitleidigen Blick und einer Creme gerechnet, aber gleich zwei Injektionen, einen Haufen Antibiotika und Entzündungshemmer bekommen.

Aber eigentlich will ich mich einfach an Anne-Chantals (die Schweizerin aus Tulum) Rat halten:

[...] da ist es doch ein glück, wenn man auf dem eigenen weg so gute leute trifft. und frag nicht, weshalb alles wie am schnürchen läuft – geniess es einfach! es kann auch ganz anders kommen!

und nicht fragen.

Margaret, my dive buddy“It’s like you said last night”, sagt Margaret zu dem Thema, Margaret, die vor einem Jahr ihren gutbezahlten Job als advertisement executive in New York hingeschmissen hat (achtzig Wochenstunden durchaus Standard), um zu reisen und zu schreiben, “I’ve never been so fuckin’ happy in my life. I’m living out of a backpack, my T-Shirts smell, I don¡’t shower for days, I don’t shave my legs for two weeks and I’m happy as a pig in shit.”

Manche finden einfach die perfekten Worte.

Nochmal Margaret- diesmal unter Wasser

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Noch eine Unterwasser-AufnahmeWenn schon das Auftauchen in der Nacht an eine Szene aus einem James Bond-Film erinnert hat, so war das Hinuntertauchen zu einem Transportshiffwrack der Firma Halliburton (ja, die Bösen mit der Irak-Connection) Bond-Kost pur. Korallenüberwucherter Schiffsrumpf, ein rostiges Fahrrad, jede Menge Fische, die über das Steuerrad und durch die Brücke schwimmen – kurz, siehe obige Kurzbemerkung zum Thema unbeschreiblich. Jede Minute erwarte ich das Erscheinen von Bösewichtern mit Harpunen, die die Verfolgung aufnehmen. Es liegt nicht nur an der Tiefe (durch den hohen Druck verbraucht ein Taucher in 30 Metern Tiefe viermal soviel Luft wie an der Oberfläche), sondern auch an der surrealistischen, trüben Atmnosphäre, dass unsere Luftvorräte weniger lang halten als sonst.

Dass das Schiff vor zehn Jahren von einigen Tauchschulen auf Utila erworben und absichtlich versenkt wurde, mag zwar ein wenig an Disneyworld-Tourismus gemahnen, ist aber – seien wir uns ehrlich – eigentlich belanglos.

Und ich darf mich jetzt zurecht als PADI Advanced Open Water Diver und als National Geograpohic Diver bezeichnen.

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And now for something completely different… Eine Katze verwandelt sich, nachdem sie von einem Auto überfahren wurde, in eine Frau. Und wenn’s in der Zeitung steht, dann muss es ja schließlich stimmen:

http://www.tribune.com.ng/22052008/news/news2.html

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Noch was: wenn ihr glaubt, dass ich euch noch eine Antwort auf ein oder mehrere Emails schudlig bin: ich habe alle Emails beantwortet; derzeit gilt aber anscheinend der GMX-Mailserver (der einzige, den ich noch benutzen kann), als SPAM-Server (sogar wenn ich mir selbst ein Mail schenke, landet es im Spamverdacht-Ordner), was bedeutet, dass meine Mails mitunter in eurem SPAM-Filter hängen bleiben könnten.
Also im Zweifelsfall bitte nochmal schreiben, damit ich weiss, was ich nochmal beantworten muss. Danke.

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Der Beitrag wurde am Sonntag, den 1. Juni 2008 um 21:31 Uhr veröffentlicht und wurde unter Honduras abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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