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Someone To Dive For
29. Dezember 2009 von Matthias

Planänderung. Nicht nur, dass wir praktisch die ersten zwei Wochen unseres Laos-Urlaubs auf Koh Tao in Thailand verbracht haben, nein, eben haben wir eine Nachtboot/Flug/Flug-Kombination nach Chiang Mei gebucht, im Norden Thailands, womit das Laos-Thema entgültig eines nicht ganz unerwarteten Todes gestorben sein dürfte.  Zum Wummern der elektronischen Musik und dem Knattern fehlzündender Mopeds, die uns Nacht für Nacht in den Schlaf wiegen, gesellt sich nun auch das traurige, einsame Weinen meines Laos-Footprint Reiseführers, der unbeachtet auf einem rohgezimmerten Holzregal vor sich hinvegetiert.

Warum? Zum einen ist mit Tauchen vorläufig Schluss (immerhin bin ich jetzt Ntrox-zertifiziert, d.h. ich darf mit Luft tauchen, die bis zu 40% Sauerstoff enthält, was gleichzetig sicherer, gefährlicher und überhaupt und ausserdem bemerkenswert ist), weil Heinz’ Ohrenentzündung eine klassische Kurpfuscher-Fehldiagnose war – tatsächlich wurden seine Innenohren (ein Plural, der zugegebenermassen seltsam anmutet) durch ein Druckausgleichstrauma quasi zu blutend-eitrigen Geschwüren, deren Entfernung durch Totalamputation legiglich noch durch ästhetische, aber keinesfalls medizinische Gründe abgewendet werden konnte, zum anderen hat sogar mich ein kleiner Fieberanfall niedergestreckt, dessen Mysterium die hiesigen Ärzte nun durch einen Bluttest auf die Spur zu kommen versuchen.

Nachdem also alles was Spass macht, verboten ist (ins Wasser gehen und Alkohol trinken), können wir uns die Similan Islands eigentlich auch schenken, also werden wir Neujahr noch hier im Kreise unserer Tauchgenossen feieren und danach ins Landesinnere wechseln, von dem gesagt wird, dass es sogar versteinerte Herzen wie das meinige zu entzücken vermag.

* * *

Nun sollte ich aber eigentlich von Mike erzählen, sagt Heinz, weil Mike ist ein bisschen so, wie wir auch sein wollen würden, wenn wir bloß cool wären, was wir natürlich schon irgendwie sind, aber, möglicherweise zumindest, vielleicht auch nicht. Die Frage ist ja, ob man cool ist, wenn man sich selber cool findet, oder nur dann, wenn einen die anderen cool finden, oder ob es dazu universeller Zustimmung bedarf – eine Frage, die in Wissenschafterkreisen und insbesondere der Asterix-Exegese als Troubadix-Paradox bekannt ist.

Vielleicht kann Mike, den wir als DMT (Divemaster trainee) kennengelernt haben, uns helfen, ein wenig Licht auf diese Angelegenheit zu werfen. DMTs sind ja noch ärmer dran als unbezahlte Hilfsarbeiter, denn sie müssen die ganzen Sachen erledigen, die sonst keiner machen will, Gewichte zählen und Tankflaschen tragen etwa, dürfen für dieses Privileg aber auch noch tief in die eigene Tasche greifen. So wie PraktikantInnen halt, die für’s Praktikum auch noch zahlen. Wenn Mike die vor jeder Ausfahrt notwendige Rede halten muss, wo wie was warum und überhaupt welches Boot, für all die neuen Taucher bei Big Blue, trägt er das nicht wie seine Kolleginnen und Kollegen wie ein manischer Animateur aus Ibiza vor, sondern in einem ähnlich apathischen Tonfall wie Cake den alten Gloria Gaynor-Hit “I Will Survive” covern – einen Hauch über der Einschlafgrenze, aber durchaus nicht uncharmant.

“So what do you do when you’re not travelling?” frage ich ihn. Obwohl er aus dem Hexenkessel New York stammt, legt er die träumerische Nonchalance von jemanden an den Tag, der dem Teufel ins Angesicht geschaut und sich gähnend abgewandt hat.

“I could tell you, but then I’d have to kill you”, erklärt er, doch durch beständiges Nachbohren stellt sich heraus, dass er zuhause in die Aufzucht und den Verkauf von diversen Gewächsen involviert war. Ultraviolettes Licht soll eine nicht unwesentliche Rolle gespielt haben. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es da noch ein paar frühere Geschäftspartner gibt, die für die Information, wo Mike zu finden ist, durchaus bereit wären, ein bisschen Geld in die Hand zu nehmen. Oder ein paar Arme zu brechen.

“But, anyway, that’s all behind me now”, sagt er, “I’m a divemaster now. A changed man.”

Und während die anderen DMTs und DMs alle eine eingeschworene Gemeinschaft bilden, die gemeinsam bis in die frühen Morgenstunden cocktailkübelt und sich gegenseitig mit Messern in den Rücken fällt, wenn sich die Gelegenheit ergibt, scheint er ein bisschen abseits des Trubels zu stehen. Dass er trotzdem nicht nur leicht Kontakte knüpft, sondern auch den einen oder anderen Treffer bei AI-Research-Engländerinnen landen kann, hat Heinz schon angedeutet.

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24. Dezember, Heiligabend. Das Tauchboot Navakid pflügt durch hohen Seegang, wir müssen uns an den Holztischen und der Reling festhalten, während sich unten an Deck seekranke Mittaucher auf dem Boden ausstrecken und leiden und sich ihres Mittagessens entledigen.

“It’s like a trauma center down there”, sagt Mike, dem die Wogen natürlich ebensowenig anhaben können wie mir, “there’s people all over the floor.” Und dann gibt er allerhand Seemannsgarn zum Besten, von Stürmen und nahezu gekenterten Booten, bis wir endlich wieder tauchen gehen dürfen. Eine ganze Gruppe bleibt oben, weil ihr so schlecht ist, andere übergeben sich erst, als sie inmitten des ins Wasser gespieenen Breis anderer wieder auftauchen müssen. Es ist kein schöner Anblick.

An diesem Abend, beim Christmas Dinner, das im Wesentlichen eine etwas zahmere Version der Weihnachtsfeier von zwei Tagen zuvor ist, sehen wir ihn übrigens auch das einzige Mal in einem Hemd, nicht mal beim Tauchen zieht sich der gute Mann etwas an. BCD und Tankflasche auf den nackten Rücken geschnallt reicht ihm vollkommen.

* * *

Bevor dieser Blog homoerotischer Untertöne beschuldigt wird, möchte ich schon auch anmerken, dass es natürlich auch Frauen gibt, hier beim Tauchen, von denen es sich lohnen würde, zu berichten, aber dieser Eintrag ist so oder so schon zu lang. Und irgendwie war die Party-Mentalität voriges Jahr auf Utila schon nicht so meins, und hier auf Koh Tao… naja, wenn das Tauchen nicht gewesen wäre, ich weiß nicht.

Gestern liegestuhlen wir mit Layla, einer Frankoschweizerin am Strand herum, und ich erzähle von den T-Shirts, die ich mir anfertigen lassen sollte. “Suicide by trigger-fish” (nur lustig, wenn man die zugehörige Handgeste kennt, aber egal), ist eines.

“Or I could do one that would be a bit…”, ich wende mich an Heinz, “was heißt selbstverliebt?”

“Narcissistic?”

“Yeah, one that would be a bit narcissistic. It would read Someone To Dive For.”

Layla ist nett genug, das lustig zu finden.

* * *

Mike hat seine Divemaster-Prüfungen alle bestanden und ist mittlerweile, nach drei Monaten auf Koh Tao, aufgebrochen. “I’ll bum around Laos for a couple of weeks”, sagt er, “and then I’ll go to India and bum around there for a few months.”

So ist das also.

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Die Vertreibung aus dem Paradies
29. Dezember 2009 von hekker

Das Grauen geht um idyllischen Urlaubsparadies auf Koh Tao. Man mag es kaum glauben – aber das entspannte Rumlungern ist in Wirklichkeit Paralyse, das frohe Gelaechter hysterisch und Nervenzusammenbruch, die abendlichen Parties nur verzweifeltes Betaeuben mit Alkohol in rauhen Mengen. Wenn man unter die Oberflaeche bohrt, merkt man, dass jeder hier Angst hat. Vor was? fragt der interessierte Leser. Wie kann das sein?

Hier wird man nicht von der donnergrollenden Allmachtsstimme irgendeines Gottes per “Fiat schleich di!” rausgeworfen, nein, per Vordruck. Unscheinbar ist er. Weiss, ein paar Zentimeter lang, doch er bedeutet den Untergang. So mancher glueckliche Gast kam grad vom Strandspaziergang, und da prangte er an seiner Tuer: Der Zettel, der das Ende bedeutet. Hier ein Beispiel, gefunden auf der Tuer unserer irischen Nachbarn:

Der Wisch der Apokalypse

Sie wussten noch nix von ihrem Schicksal, als sie vom letzten Tauchgang ihres Kurses zurueckkehrten, aufgeregt ueber Haie, Snapper und anderes Gewuerm schnatternd. Doch da sahen sie die aufgeregt murmelnde Menschenmenge, die sich schon vor ihrer Tuer versammelt hatte und ein eiskalter Schauer durchfuhr sie – Nein, das kann nicht sein! Man hatte schon gehoert, dass dieser, jener oder die so einen Zettel gefunden hatte, aber wer rechnet schon damit, dass es einen selbst ereilt? Der erste bemerkte sie, und schon verstummten sie, traten auseinander und bildeten ein Spalier. Wie in Zeitlupe lief es ab fuer unser armes irisches Paerchen, als sie durchgehen mussten zwischen den mitleidig gesenkten Koepfen, denn wenn man genau hinschaut, konnten sie ein schadenfrohes Glitzern in den Augen kaum vermeiden, weil, haha, ihr Zimmer war ja jetzt sicher fuer den Tag.

Zerknirscht sassen sie dann spaeter da, und jeder kam vorbei, murmelte ein paar aufmunterte Worte, ein Schulterklopfer, oder gar ein paar Baht, um das schwere Schicksal etwas leichter zu machen. Aber was kann den Rauswurf aus dem Paradies schon besser machen? Etwa der Smilie, dessen haemisch grinsende Fratze den Wisch ziert?

Aber 2 Leute in der Bluete ihres Lebens verkraften das schon. Viel gemeiner: Einen armen deutschen Mitinsassen ereilte sein Schicksal nach 3 Tagen Darmkrankheit, als er einmal nur kurz zum 7/11 kroch zwischen 2 Toilettengaengen.

Aber warum diese Grausamkeit? Warum diese Willkuer? Und wo kann ich spenden? Hoere ich jetzt den empoerten Aufruf aus der Leserschaft. Nun, es ist Hochsaison, und je Tauch desto lieber natuerlich, weil von den 8 Euro/Tag/Zimmer kann der schwedische Chef seinen ausgehoehlten Geldspeicherberg nicht fuellen. Und wer einmal offiziell, oder auch nur im Vorbeigehen zu einem Mitreisenden gesagt oder im Schlaf gemurmelt hat: Morgen abreisen; der
muss morgen abreisen, egal ob weicher Stuhl oder nicht. Weil jeden Tag spuckt die Faehre mehr und mehr Touristen aus und 9000 Baht fuer 2 Tage Openwater-Kurs zahlt keiner der alteingesessen mehr. Insofern herzlos, aber verstaendlich.

Wir werden jedenfalls am 1.1. den Abflatter machen. Zuerst Nachtboot nach Surat Thani, dann tsehohzweischweindelnd per Flugzeug nach Chiang Mai, auf in den kuehlen Norden, wo die Wikingerthais in Baerenfell gehuellt rund ums Feuer frieren (immerhin kaum 20 Grad in der Nacht!). Weil mein Ohrwaschel sich auch nur besser anfuehlt dank Schmerzmittel im Krebsendstadiumstaerke (100 Baht OTC), Matthias auch nicht gesund und mehr Meer braucht ka Sau.

Gekko auf meiner Hand

Gekko auf meiner Hand

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Rumlungern
26. Dezember 2009 von hekker

Eigentlich wollte ich ja einen total depressiven ewig langen Artikel schreiben, aber dann dachte ich mir: Shark it, Ship happens, es is ja eh saugeil. Weil was soll’s, dass ich nicht mit den Party People mithalten kann, Tauchverbot habe wegen den verdammten Ohrwascheln, die endlich mal aufhoeren koennten mit Tinnitus, Wehtun und generell ungut sein oder die nette Artifical-Intelligence-Research-Englaenderin lieber mit Mike g’spuslt, weil das kann ich ihr eh nicht verdenken, der ist nicht nur International Man of Mystery, sondern auch ab morgen Divemaster und sowieso der sympathischste von allen und wird hoffentlich bald von Matthias in einem Blogeintrag verwurstet.

Weil selbst wenn mir heute schon so fad war, dass ich tatsaechlich diplomgearbeitet habe, welches Buero ist bitte cooler als die bambusueberdachte Bank im schattigen Hof vom Big Blue-Resort; und wo kann man, nach ein paar Stunden durchaus produktiver Arbeit sich mit Matthias, obengenannter Liz, Mike und ein paar anderen zu ein paar gemuetlichen Abendsonnenbieren an den Strand verziehen und dann das schmackhafteste Thaifood fuer einen lumpigen Euro pro Hauptspeise mampfen.

In diesem Licht ist, glaube ich, mittlerweile auch beschlossen, dass Thailands groesste Party-Insel nix fuer uns ist. Koh Phangan ist Schauplatz legendaerer Full Moon Parties, und wie alle Leser sicherlich wissen, ist dieses Jahr Vollmond am (drumroll) 31.12. 40000 Leute werden erwartet, das groesste Strand-Rave EVER. Schlafgelegenheit natuerlich nix mehr seit Monaten, daher Durchmachen vorprogrammiert. Wenn es jemand schafft, dort keinen Spass zu haben, dann ich. Waere eigentlich auch eine Herausforderung, oder?

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