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Over And Out Oder Abgang mit Knalleffekt
03. November 2008 von Matthias

Wo anfangen? Eben noch im regnerischen Hanoi mit ein bisschen Fieber und viel Selbstmitleid herumgehangen, heute schon auf dem Weg nach Hause. Demnächst wird die TAA, also known as Das Sicherheitsnetz bzw, Tyrolean Air Ambulance mich nach Wien fliegen, wo ich heute – Montag – abends eintreffen werde. Dann Blaulicht und Rettung und das ganze Programm. Hm, und gerade wenn mensch denkt, Reiseversicherungen sind was, das nur die anderen brauchen.

Die Tatsache, dass ich blogge, zeigt, dass ich nicht in unmittelbarer Lebensgefahr schwebe, das ist ja schon mal was. Alles andere wird sich weisen; wenn ihr an sowas glaubt, wünscht mir viel Glück für die kommenden Tage. Tja. Was soll ich sagen? Das war’s mit Weltreise. Shit.

Lied zum Tag, I Don’t Wanna Go Home von Steve Van Zandt.

Und obwohl ich sie nicht gefragt habe, ob ich über sie schreiben darf, und obwohl sie mir wiederholt gesagt hat, ich bräuchte mich nicht zu bedanken, möchte ich noch jemaden erwähnen: Melanie aus Bayern, die wir in Sapa getroffen haben und die mir zugehört hat und meine Beschwerden ernst genommen hat, als ich selbst noch gedacht habe, es ist alles nur halb so wild, die mir gesagt hat, zu welchen Ärzten ich gehen muss, die immer erreichbar war und die – am Allerwichtigsten – mich gestern Abend zum Essen mit ihren Freundinnen geschleppt hat, als eine Welt für mich zusammengebrochen ist (diese Dramatik! dieses Pathos!).

Paniktag war gestern. Heute… mal sehen.

Ach ja, und die TAA muss ich natürlich auch loben, die meinen Rücktransport erstaunlich unbürokratisch und innerhalb weniger Stunden am Sonntag Nachmittag organisiert haben. Da lohnt sich der Besitz einer Kreditkarte durchaus.

Euch einstweilen vielen Dank fürs Mitlesen. Ärzte können sich ja irren – und wenn ich irgendwie kann, flieg ich wieder hierher und mache dort weiter, wo ich aufgehört habe. Verlassen würde ich mich aber nicht darauf. So oder so, brutal abgeschnitten oder nicht, es war auf jeden Fall the trip of a lifetime.

Mehr fällt mir nicht ein.

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Woohoo! Zwei Blogeinträge an einem Tag.
01. November 2008 von Matthias

Manche sagen mir ja einen leichten Hang zur Übertreibung nach. Ich weise also zur Ehrenrettung meiner Person zum Thema Regenfälle in Hanoi auf einen Artikel im Standard hin, aus dem wir unter anderem folgendes lernen:

Überschwemmungen in Vietnam: Mindestens 30 Tote
Behörden warnen vor weiteren Regenfällen und Sturzfluten

Hanoi – Bei schweren Überschwemmungen in Vietnam sind in den vergangenen Tagen mindestens 30 Menschen ums Leben gekommen. Die Behörden warnten am Samstag zudem vor weiteren Regenfällen und Sturzfluten vor allem im Norden des Landes.

In der Hauptstadt Hanoi stand das Wasser in einigen Straßen bis zu einen [sic!] Meter hoch. Bewohner sprachen von den schwersten Regenfällen seit mehr als 20 Jahren. Seit Jahresbeginn sind in Vietnam hunderte Menschen bei Unwettern und Überschwemmungen ums Leben gekommen. (APA/Reuters)

Bisher musste ich ja zu meinem Leidwesen feststellen, dass mein Blog in den internationalen Medien noch nicht die gebührende Beachtung findet, weder die New York Times, das Wall Street Journal oder die NZZ zitieren mich regelmäßig. Vielleicht wird sich das ja jetzt endlich ändern.

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So kiss me, baby, till it hurts
01. November 2008 von Matthias

Warum ich nun schon so lange in Hanoi herumlungere (nicht, dass jemand fragen würde)? So gut mir die vietnamesische Hauptstadt prinzipiell gefällt – auch wenn mittlerweile auch hier alles knietief unter Wasser steht, erst vor zwei Stunden hat der Regen, der am Mittwoch begonnen hat, vorrübergehend aufgehört -, so sehr zieht es mich eigentlich weiter, nach Laos oder auch nur in den Süden Vietnams.

Es gibt drei Gründe. Zunächst einmal muss ich vier Werktage auf meine Visumsverlängerung warten und ohne Paß reist es sich eher schlecht, nicht einmal in einem Guesthouse darf ich hierzulande übernachten, ohne meinen Paß abgeben zu müssen.

Zum zweiten bin ich jetzt endlich einmal wirklich krank, was nach sieben Monaten mit nur Lappalien ja auch schon mal eine Leistung ist (zumindest für mich); meine von Dr. John seinerzeit in Honduras als bedenklich eingestufte Entzündung war ja für mich nicht wirklich schmerzhaft. Mit 39,7 Cedlsiusgraden Fieber chartere ich also ein Taxi zur Hanoi Family Medical Practice auf der Kim Ma-Straße, wo lauter ausländische (sprich: französische, englische, amerikanische und auch ein paar vietnamesische) Ärzte gegen horrendes Entgelt (sprich: einige hundert Dollar) ihren Dienst versehen. Da ich aber bereits mehrfach gehört habe, dass die Vietnamesen selbst ungern hierzulande einen Arzt aufsuchen, sondern lieber nach Bangkok fliegen, weil das Gesundheitssystem so katastrophal und die Ärzte so inkompetent sind, zücke ich gerne meine Mastercard, um eine adäquate meidzinische Versorgung zu erhalten.

Hohes Fieber in Südostasien heißt ja bekanntlich manchmal Malaria, und das wäre nun etwas, was ich wirklich nicht gut gebrauchen kann.

“If your blood test shows that you’ve got Malaria, we might have to admit you immediately. You can refuse, but I wouldn’t advise it”, erklärt mir meine Ärztin. Während ich mit Schüttelfrost auf einer engen Liege mit einer dünnen Decke darauf warte, dass meine Testergebnisse zurückkommen, versinkt die Stadt draußen im Regen- und Flutchaos. Der Verkehr steht, keiner kommt hier weg, alle Ärzte, die eigentlich schon frei hätten, müssen da bleiben und warten, bis sich das Wetter bessert.

Sie bringen mir Wasser und Paracetamol, und in vollem Bewußtsein, dass Männer gern sudern und gut leiden können, tue ich mir selbst ziemlich leid und will, zum ersten Mal, seit ich unterwegs bin, wieder nach Hause. Das hier ist nur eingeschränkt lustig; all die Gesundheitskapitel aus meinen Reiseführern spuken in meinem Kopf herum. Und meine Schwindelanfälle der letzten Woche tragen auch nicht gerade zur Entspannung bei. Ich wünschte, dass irgendjemand da wäre, den ich anjammern kann.

Meine Testergebnisse sind negativ für Malaria und mein blood count, was immer das auch ist, der aus drei A4-Blättern mit Diagrammen und Zahlen besteht, gäbe auch keinerlei Anlaß zur Besorgnis. Wo das Fieber herkomme, wüssten sie zwar genausowenig wie zuvor, aber Ruhe und Paracetamol sollten meine Rekonvaleszenz umgehend einläuten.

Halbwegs erleichtert muss ich nur noch zwei weitere Stunden warten, bis die ersten Taxis sich durch das knietiefe Wasser heranquälen. “Zuhause”, nach einer fiebersenkenden Injektion, in meinem fensterlosen, muffigen Hotelzimmer entdecke ich zu meiner Freude, dass Bruce Springsteen extra um mich aufzumuntern einen Halloween-Song geschrieben und aufgenommen hat, den es auf seiner Website in Hi-Def zum Ansehen und als MP3 zum Download gibt:

Und der dritte Grund, warum ich schon so lang da bin? Nun ja, ein bisschen was werde ich wohl auch für mich behalten dürfen.

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