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Zu Besuch bei Familie P.
30. September 2008 von Matthias

Mit der Post ist das nicht so einfach. Wenn es sie gibt, tut sie nicht immer das, was wir uns eigentlich von ihr erwarten (ein Paket mit meinen Foto-DVDs und zahlreichen Bungy/Skydiving/Jetboating-Devotionalien ist trotz Tracking im Nirgendwo zwischen Neuseeland und Österreich verschwunden), und wenn ich sie mal wirklich brauche, dann gibt es sie nicht.

Auf dem größten Flughafen eines Landes in einer Millionenstadt, so denke ich mir, werden sie schon ein Postamt haben und trage folglich meine teuer erworbene Wahlkarte am Abflugs- und Wahlsonntag auf den Auckland International Airport, nur um festzustellen, dass es dort bedauerlicherweise eben kein Postamt gibt. “Teuer erworben” deshalb, weil das österreichische Honorarkonsulat (für so ein Lulu-Land wie Neuseeland können wir uns nun wirklich keine eigene Botschaft leisten) in den auckländischen Vorstädten beheimatet ist, wo nur Eingeborene mit den rar gesäten öffentlichen Verkehrsmitteln hinfinden, nicht aber anginakranke fiebrige Touristen, die nur eine Stunde Zeit haben, weil der Honorarkonsul bald ins Bett gehen will, und also ein vietnamesiches Jahresgehalt für eine Taxitour ausgeben müssen. Einen herzlichen Dank jedenfalls an den guten Herrn Honorarkonsul, Herrn Simanke, der sich seinen samstäglichen Spätabend von mir unterbrechen hat lassen, obwohl der Parteienverkehr offiziell am Freitag zu Mittag endet.

Flughafen AucklandWie auch immer: postamtsloser Flughafen. Ich kaufe Briefmarken in einem Buch- und Zeitungsgeschäft, sogar einen “par Avion – International Airmail“-Sticker hat die Dame, aber den kleinen grünen Zettel für den Zoll hat sie nicht. Also pilgere ich durch die diversen Flughafenshops, vielleicht hat ja jemand sowas, weil Wählen ist schon wichtig und jetzt, wo ich schon einmal so weit gekommen bin, will ich auch nicht aufgeben. Außerdem will ich ja eigenhändig das Wahlergebnis verhindern, dass dann am Sonntag abend leider eintritt. Und es ist ja erst sieben Uhr früh (21 Uhr am Vortag, den 27. September in Österreich), Boarding ist erst um acht und mein Flug geht dann noch einmal 45 Minuten später.

Ich finde dann den gewünschten Zettel noch, gebe die Wahlkarte etwas sorgenvoll auf (warum muß da mein Name, meine Adresse, meine Passnummer und meine Unterschrift auf der Kuvertaußenseite draufstehen? Datenschutz, hallo?), kaufe noch ein Mineralwasser und trinke es hingebungsvoll-genüßlich, ehe ich mich zur Pass- und Sicheheitskontrolle aufmache.

Beim Boarding-Gate, um sieben Uhr fünfzig, stellt sich dann heraus, dass es durchaus Sinn hat, den Lautsprecherdurchsagen zuzuhören (“Last boarding call for Qantas flight number…”), weil es ist gar nicht sieben Uhr fünfzig, sondern acht Uhr fünfzig. Sommerzeitumstellung. Südhalbkugel. Sommer und Winter vertauscht.

Ich bin zwar der Letzte, aber ich darf doch noch mitfliegen; kaum ist die Flugzeugtür hinter mir zugefallen, rollen wir auch schon zur Startbahn und ich habe gerade noch genug Zeit, meinen Sitzplatz zu finden, bevor wir abheben. Als ich mich von meinem Schrecken erholt habe, sind wir fast schon in Sydney.

* * *

WalfängerFrüher war das ja auch so eine Sache mit der Post. Arbeitete man zufällig (und hier verwende ich das nicht hundertprozentig geschlechtsneutrale man ruhigen Gewissens) auf einem Walfangschiff, so war es oft monatelang nicht möglich, einen Brief an die Familie daheim zu schicken (“Liebe Mary! Hier ist es sonnig, das Meer ist blau. Gestern gab es Grog. Haben Wale gefangen. One-Eyed-Jim hat mir beim Kartenspielen die ganze Heuer abgenommen, deshalb kein Geld diesmal. Schick die Kinder Streichhölzerverkaufen in den Schnee. In Liebe, Bob.”). Damit die Matrosen nicht warten mussten, bis die nächste größere Stadt erreicht wurde, verfiel irgendein logistisch begabter Mensch auf die glorreiche Idee, auf unbewohnten Inseln, die traditionell von Walfängern verschiedener Nationen angelaufen wurden, Postaustauschtonnen einzurichten, in welche die Mannschaften ihre Briefe werfen konnten. Kam dann ein Schiff, zum Beispiel aus New York, ließ es die für die Heimat bestimmte Post dort und nahm etwa Briefe nach London mit. Was passiert sein wird, wenn dann ein europäischer Walfänger, in Richtung New York unterwegs, einhersegelte, kann sich meine Leserschaft leicht ausmalen: er nahm die für seinen Zielhafen herumliegende Post ebenfalls mit.

Warum aber erzähle ich euch das?

Poststation auf den Galapagos-Inseln, 7. August 2008So einen Postaustauschpunkt gab es im 19. Jahrhundert unter anderem auf der Insel Floreana (Galapagos). Und weil Touristen immer für so etwas zu haben sind, wird die Walfängertradition bis heute fortgeführt (die Post, meine ich,  das mit Alkohol und Karten auch, aber Wale fangen wir Touristen dort wenisgtens nicht mehr): wir schreiben Karten an unsere Lieben daheim und hoffen, dass irgendein freundlicher Mensch aus unserer Heimat, der hier vorbeikommt, sie mitnimmt und entweder zuhause aufgibt oder sogar persönlich zustellt.

Hong KongAm 31. Juli dieses Jahres schreibt die von dieser Idee bezauberte Familie P. aus Hong Kong eine Karte an sich selbst (“Whoever picks up this card is welcome to have dinner with us!”). Familie P. besteht aus Vater Michael aus Deutschland, Mutter Carina aus Kolumbien und den beiden Söhnen Nicolas und Sebastian und besitzt in Hong Kong seit siebzehn Jahren ein Textilunternehmen. Jedes Jahr besuchen sie mit einem Round The World Ticket ein paar Länder, denn Reisen sei für die Kinder viel wichtiger als großartige Ersparnisse zu haben, obwohl die geräumige Wohung im Zentrum Hong Kongs und die zwei Dienstmädchen auch nicht gerade einen kargen Lebensstandard darstellen.

Hong Kong bei NachtAls ich am 7. August auf meinem Galapagos-Trip diese Essenseinladung vorfinde, nehme ich die Karte gleich gierig an mich. Hier, in Hong Kong, hilft mir mein Geburtstag feiernder Freund Gugl dabei, die Telefonnummer der Familie P. auszuforschen (die wären sicher ein wenig überfordert damit, wenn eines Abends unangemeldet ein Ausländer vor der Tür steht und “What’s for dinner?” fragt).

Ich rufe an. “I’ve got your card from the Galapagos Islands here”, sage ich zu Carina, nachdem wir die Einleitungsflosekeln hinter uns haben.

“You’ve got to be joking.”

Familie P.Ich meine es aber ernst und nach einer Odysse durch Hong Kongs Villenviertel auf dem Hang des Stadtberges finde ich sogar rechtzeitig zum Domizil der Familie P. Und es wird ein richtig netter Abend; wir erzählen einander von unseren Reisen (beide Kinder sprechen Englisch, Spanisch und Mandarin, nicht aber das hier viel häufigere Kantonesisch) – sie empfehlen mir dringend, Namibia zu besuchen, und ich lobe Guatemala in den Himmel -, es gibt Essen und viel Bier, Sebastian spielt mit mir Autorennen und Nicolas zeigt mir seine Galapagos-Fotos, die meinen nicht wirklich unähnlich sehen.

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Phartiphukborlz
26. September 2008 von Matthias

Milford SoundIn Neuseeland wollen sie mir weismachen, dass Fjorde durch Gletscher entstehen, die sich ihren Weg meerwärts suchen und dabei tiefe, landschaftlich ansprechende Täler graben, wenn doch jedes Kind weiß, dass in Wirklichkeit Slartibartfaß (im englischen Original Slartibartfast) Fjorde entwirft und baut. Ob er auch für die neusseländischen Fjorde verantwortlich zeichnet, vermag ich nicht zu sagen; wir erfahren lediglich, dass er für Norwegen einen Preis gewonnen hat.

(Wer jetzt nur ein verständnisloses Huh!? auf den Lippen trägt, dem sei Douglas Adams’ The Hitchhiker’s Guide To The Galaxy bzw. Per Anhalter durch die Galaxis dringend empfohlen; allein schon aus Gründen der Allgemeinbildung).

A  propos Slartibartfaß – aus der seriösen Wissensquelle Wikipedia lernen wir folgendes:

Douglas Adams wollte für diese Figur einen groben Namen, der sich wie ein Fluch anhört, sein erster Versuch lautete deshalb Phartiphukborlz. Mit dem Namen wollte er auch die Sekretärin der Hörspielproduktion des BBC ärgern, da die Figur über längere Zeit („mein Name tut nichts zur Sache“) ihren Namen nicht preisgibt, die Sekretärin jedoch jeder Dialogzeile der Radioskripte den umständlichen Namen voranstellen muss.

Was eine von jenen unentbehrlichen Informationen ist, für die es sich lohnt, diesen Blog zu lesen.

Milford SoundDa Norwegen aus unerfindlichen Gründen nicht auf meiner Weltreiseländerliste zu finden ist (eine Weltreise ohne Europa kann auch nur einem Europäer einfallen), beschließe ich, mir Slartibartfaß’ Werk alternativ im hiesigen Fjordland National Park zu Gemüte zu führen (dieser Nationalpark ist größer als die übrigen dreizehn zusammen) und besuche das unzutreffend benannte Milford Sound, das nämlich ein Fjord und kein Sound ist. Ein Sound werde von einem Fluß gegraben, Milford sei aber durch Gletscherbewegungen entstanden. Niemand erwähnt den Namen Slartibartfaß, was mich vermuten lässt, dass er seine Finger tatsächlich nur in Norwegen im Spiel gehabt hat.

Der Franz-Josefs GletscherAnschließend fröne ich ein paar Tage dem Patriotismus und treibe mich auf und um den Franz Josefs-Gletscher herum, der nach dem letzten österreichischen Kaiser benannt ist. Franz Josef Township besteht aus zwei Straßen und einer Handvoll Häuser und wirkt, alles in allem, sehr alpin und ein bisschen kitschig. Meine Unterkunft trägt zwar den formidablen Namen Chateau Franz, ist aber auch nichts anderes als eines jener Backpacker-Hostels, wie ich sie hierzulande zuhauf vorfinde. Immerhin gibt es jeden Tag um sechs Uhr abends heiße Gemüsesuppe (gratis), was wir alle sehr zu schätzen wissen.

Auf dem GletscherMein Vorhaben, ausführlich über meine Gletschwerwanderung zu berichten, über türkisblaue Eisflächen, gähnende Gletscherspalten, Höhlen und Kavernen, Spitzhacken, Spikes und Maori-Legenden wird von Heinz zunichte gemacht, der anmerkt, dass es Gletscher ja auch in Österreich gäbe und was sei jetzt an dem so Besonderes?

Tja. Hrmpf.

Auf dem GletscherMein Aufenthalt in Neuseeland neigt sich dem Ende zu; ich habe keine Herr der Ringe – Schauplätze und insbesondere auch das mir von meinem Bruder mehrfach ans Herz gelegte Hobbitdorf nicht besucht und wetterbedingt auch keine Mehrtageswanderung unternommen (tramping, wie sie das hier nennen), aber was soll’s. Nett war’s trotzdem.

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Tempting Fate
18. September 2008 von Matthias

N-N-Nevis, Godfaher of NZ Bungy Sites„Okay, I will give you a count from three to one and then you’ll jump.”

Ich stehe knapp hundertfünfzig Meter über dem von hier oben extrem schmal wirkenden Band eines Flusses, der durch einen tief eingeschnittenen Canyon verläuft. Es ist grau und kühl, die Sonne, die gestern noch so hoffnungsvolle Frühlingsassoziationen geweckt hat, versteckt sich hinter massiven Wolkenbänken. „First, I will tell you about our refund policy”, hat uns vor ein paar Minuten unser Fahrer erklärt, „namely that there is none. You came here voluntarily, you signed away your rights, so you gotta jump. No money back.”

Ich bin ja noch nie Bungy-gesprungen und habe die ganze Idee bisher auch für etwas stumpfsinnig gehalten – es gibt sicher bessere Wege, sein Geld loszuwerden, als sich mit einem elastischen Gummiseil an den Füssen in die Tiefe zu werfen. Aber das hier ist Neuseeland, home of the bungy und das hier ist Queenstown, adventure capital von Neuseeland (Bungy-Jumpen, Skydiven, Jetboaten, Whitewater-Rafting, Canyon Swinging, Helicopter Skiing, Snowboarden, Balloonfahren, Reiten und was der anderen Sport-Anglizismen mehr sind, sind nur einige der Aktivitäten, in die mensch hier sein Weltreisebudget investieren kann) und das hier ist insbesondere der N-N-Nevis, der höchste, ärgste, superste und überhaupt coolste Sprung, den sich die Frauen und Männer von Bungy-Pionier AJ Hackett bisher haben einfallen lassen. 134 Meter freier Fall, acht Sekunden – obzwar eigentlich nur drei Sekunden wirklich frei sind, dann beginnt die Elastizität des Seils bereits wieder, einen abzubremsen, aber das sind technische Nebensächlichkeiten, die nun wirklich… nun, nebensächlich sind. Und wenn schon Bungy, so sage ich mir, dann gleich The Godfather of Bungy in die wilde Szenerie einer Schlucht und nicht irgendeine Mickeymaus-Version von einer Brücke oder einem Turm in irgendeiner namenlosen Großstadt dieser Welt.

„Remember, the most important thing is that you do a big dive, head-first. If you jump feet-first, it won’t kill you, but it will hurt and it will look pretty uncool on the DVD.”

Da stehe ich also, anstatt irgendwelcher blöden letzten Worte an meine Angehörigen habe ich der Kamera ein nonchalantes Let’s do it entgegengeschleudert – “A man of action, I like that”, lobt mich die dreitagebärtige Coolness-Personifikation, in deren Hände ich mein Leben gelegt habe – und ich habe natürlich vor, bei „one” auch zu springen. Die Jungs wissen, was sie tun, die Sache ist vermutlich sicherer als eine Straßenüberquerung und so weiter, und ich will ja schließlich nicht als zimperliches Weichei, sondern als hartgesottener Globetrotter auf meiner DVD verewigt werden. Der Australier vor mir hat mehrere Anläufe gebraucht; so was habe ich nicht notwendig.

„Three.”

Ich bin zuversichtlich, so schlimm wird es schon nicht werden. Obwohl mir das Aus-dem-Flugzeug-Hüpfen um einiges leichter vorgekommen ist; so surreal, dass es schon fast wieder egal war. Blöd auch, dass ich nicht dann springen darf, wenn ich endlich diese Das-Leben-ist-sowieso-überbewertet-Einstellung für einen Sekundenbruchteil zusammen habe, sondern mich zu einem fremdbestimmten Zeitpunkt in die Tiefe werfen sollte, weil die mir das Seil nachwerfen müssen, damit ich mich nicht drin verheddere.

„Two”.

Ich kann nachvollziehen, warum ein signifikanter Prozentsatz aller Leute trotz der No-Money-Back Politik dann doch im letzten Moment kneift. Geld kann gar nicht so wichtig sein. Und es geht wirklich, wirklich tief hinunter.

„One – GO!”

Ich springe nicht. Ich bin selbst überrascht, aber meine Beine scheinen völlig andere Ideen zu haben als mein Kopf und keinen großen Wert auf eine eindrucksvolle DVD zu legen. Irgendwo in mir randaliert das von Jahrmillionen der Evolution geschulte Tier in namenlosem Entsetzen Bistduwahnsinnigmachdasnicht Gehwiederzurück NEINNEINNEIN

„Sorry about that”, sage ich.

Ich falle…„I’ll give you another count. You know you’ve gotta go when I tell you, right?”

„I do. Sorry.”

„Five – four – three – two – one – GO!”

Ich springe.

NEINNEINNEIN, schreit das Tier, NEINEIN nein?… oh-hey, das ist eigentlich ziemlich cool. Wow, nett.

Und dann ist es auch schon wieder vorbei.

* * *

Queenstown vom Queenstown Hill Track ausBevor ich im März von zuhause weggefahren bin, habe ich ja nicht so recht daran geglaubt, dass diese Idee einer Weltreise – noch dazu allein – wirklich so großartig ist, wie ich mir das bisher ausgemalt hatte. „Vielleicht bin ich zu eurer Hochzeit [Anfang Mai, Anm.] eh schon wieder da”, habe ich am Tag vor meiner Abreise Julia am Telefon erklärt.

Das glaube sie nicht, sie sei überzeugt davon, meine Freunde würden mich für lange Zeit nicht mehr sehen, hat sie mir entweder brav Mut gemacht oder mehr Vertrauen in meine Fähigkeiten als Reisender gesetzt als ich selbst.

Queenstown„Wenn du nach zwei oder drei Monaten wiederkommst, ist das ein bisschen ein Reinfall”, hat mich Monika ermahnt, die immer schon wesentlich schonungsloser mit mir umgesprungen ist, „sechs Monate sind okay. Das ist dann nicht mehr unccol.”

Gestern, am 17. September, war mein Sechsmonatsjubiläum. Queenstown, an einem See inmitten einer alpinen Berglandschaft, ist eine gute Stadt, um ein Jubiläum zu feiern. „There’s a bar at every corner”, sagt uns der Busfahrer beim Ankommen, „and several in between.”

Am Seeufer (Queenstown)Mein Mitbewohner John aus England, der zum Snowboarden hier ist, und ich sind bereits nach dem ersten gemeinsam gekochten Abendessen ein eingespieltes Team; gern übernimmt er von mir so ungeliebte Tätigkeiten wie Zwiebelschneiden und Abwaschen, solange ich meinerseits Speisen zubereite, die nicht an die Überreste eines Flächenbrandes in einem Supermarktregal erinnern; eine Metapher, die sich ihm selbst bei seinen bisherigen Kochversuchen geradezu aufdränge.

Queenstown at dusk„Let’s get roaring drunk and wake up next to a girl whose name we don’t even know”, schlägt er mit dem Übermut seiner vierundzwanzig Jahre vor. „Six months is cause for celebration.”

„Let’s start with the beers and take it from there”, sage ich.

Meine Wanderung

* * *

Eine Attraktion, von der mir schon Sinead in Mexiko erzählt hat, ist der Shotover Canyon-Swing. Nach lediglich 60 Metern freiem Fall schwingt mensch sich in einem zweihundert Meter langem Bogen durch den Shotover-Canyon in der Nähe von Queenstown. Wenn ich schon beim Geld Verpulvern bin (eine weniger großartige Nebenerscheinung meines Jubiläumstages ist die Tatsache, dass zuhause gerade die Wogen ein bisschen hochgehen und ich, der nicht da bin, an allen möglichen beruflichen Fehlentscheidungen derer, die daheim sind, schuld sein soll, vermutlich, weil ich die Frechheit besitze, es mir gut gehen zu lassen), dann gleich richtig.

Shotover Canyon„60m of free fall should take about three seconds”, werden wir instruiert. „if it’s any longer than that, then something has gone horribly wrong. At least, in that case, the rest of the free fall is free.”

Nach dem Nevis ist das nun ein bisschen anti-klimatisch, also beschließe ich, um der Sache etwas mehr Pepp zu geben, rückwärts zu springen.

Einmal mehr stehe ich am Abgrund. Hier ist es anscheinend Teil der Attraktion, dass mir die Leute soviel Angst wie möglich zu machen versuchen. Ich solle meine Arme nicht ausstrecken oder ich würde mich an den Felsen rechts von mir beim Hinunterfallen verletzen. Meine anfängliche Zuversicht schwindet rapide. „Jump back far, man, don’t hit your chin on the platform. That’s really ugly.”

„You’re joking, right?”

„I wish I was. I see it all the time. Not that I really care anymore.”

Er hält mich an meinem Harnisch. „Whenever you are ready.”

Ich werfe einen Blick zurück über die Schulter. Hoch. Tja. „Okay, I’ll count”, sage ich. „One – two…”

Er unterbricht mich. „How far will you count?”

„To three, obviously.”

„I’m just asking, because some people, they count to four. Don’t ask me why.”

„Or five”, wirft sein Kollege ein.

Einmal mehr sammle ich mich. Rückwärts ist wirklich schwieriger.

„One – two…”

„Will you jump exactly on three or after three?”

Ich fühle Ärger in mir aufsteigen. „What the fuck does it matter?”

„It’s just that you might want to come back alive. Not that I mind, one way or the other.”

„Can you edit this out of the DVD? It’s rather embarrassing.”

„No way. You should see some of the other DVDs, man. This isn’t embarrassing at all. As long as you’re not crying, you’re fine.”

Einmal mehr falle ich…Ich springe. Und schwinge.

Natürlich bin ich nicht mehr verärgert, als ich wieder hochgezogen werde; der Adrenalinrausch und das Hochgefühl sind zu groß. Ich springe sogar nochmals.

„That’s the third time today you’re throwing yourself off a cliff. Don’t you think that’s tempting fate?”

Das Leben ist sowieso überbewertet.

[Wer mehr vom Nevis sehen will, sei an die einschlägigen Videos bei Youtube verwiesen.] 

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