Der TeleferiQo ist eine Seilbahn, die von Quito aus die Flanke des Vulkans Pichincha erklimmt und auf 4100 Metern Seehöhe endet. Oben ignoriere ich die überteuerten Restaurants und wandere in Richtung Gipfel, die atemberaubenden Ausblicke auf die Stadt und die karge, majestätische Landschaft genießend. Die beinharte Wahrheit und die journalistische Integrität, zu der sich dieser Blog verpflichtet fühlt, lassen mir allerdings keine andere Wahl als zu gestehen, dass ich es nicht ganz auf die 4680m schaffe, da es mit einem Mal ziemlich kalt wird und dunkle Wolken aufziehen. Aber immerhin.
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Mein Reisebüro hat mir bezüglich meines Transit-Aufenthaltes in den USA zwecks Weiterreise zu den Fidschi-Inseln bereits vor einiger Zeit folgendes mitgeteilt (zur Enttäuschung der Kommentarschreiberin Roswitha, wer immer sie sein mag: ich war schon zweimal in Peru, in Bolivien, Chile und Brasilien ebenfalls, also wollte ich diesmal etwas anderes sehen):
Sehr geehrter Herr [xxx],
wir hatten unlängst einen Fall wo ein Kunde über die USA nach Mexico City geflogen ist und nach mehr als 90 Tagen von Sao Paolo via die USA nach Europa zurück wollte. Die Fluglinie hatte dem Kunden beim Rückflug das Boarding verweigert weil er kein Visum für die USA hatte. Die Regel besagt zwar dass man sich bis zu 90 Tagen ohne Visum in den USA aufhalten darf. Anscheinend wird dabei aber nicht unterschieden ob man USA dazwischen verlässt oder nicht.
Vielleicht hat Sie ja auch schon die Airline bei der Ausreise nach Mexico City auf diesen Umstand aufmerksam gemacht und Sie haben schon ein Visum. Wenn nicht müssen Sie auf alle Fälle noch ein USA Visum beantragen damit Sie wieder in die USA einreisen dürfen.
Auf folgendem Link kommen Sie zur US Botschaft in Lima:
http://lima.usembassy.gov/contact.html
Ich wünsche Ihnen weiterhin noch eine schöne Reise!
Mit freundlichen Grüßen
[xxx]
Reiseberater/Travel Adviser
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STA Travel GmbH
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Vor der US-Botschaft in Quito scheinen zu jedem Zeitpunkt Menschenschlangen zu stehen, eine kurze ist für US-Amerikaner bestimmt und eine längere für potenzielle Terroristen bzw. den Rest der Welt. Telefonisch hat mir eine Dame mitgeteilt, natürlich würde ich ein Visum brauchen, warum ich da überhaupt anrufen und ihre Zeit mit so offensichtlichen Fragen verschwenden würde. Vielleicht nicht in diesen Worten, aber ich kann ja zwischen den Zeilen lesen. Auch bei einem Telefongespräch, wo es genaugenommen nichts zum Lesen gibt.
Der Imbissbudenbesitzer auf der gegenüberliegenden Straßenseite macht ein gutes Geschäft mit den im Andensonnenschein wartenden Visa-Antragstellern, eine junge Ecuadorianerin gibt Auskünfte, hakerlt Namen auf einer Terminliste ab und weist zur allgemeinen Verblüffung darauf hin, dass auch die spanische Version des Visaantragsformulars in Englisch auszufüllen ist. Finstere Sicherheitsbeamte nicken sich hinter dunklen Sonnenbrillen versteckt verschwörerisch zu, murmeln halblaute Warnungen in ihre Walkie-Talkies und versuchen, die jungen Mädchen unter den Wartenden anzumachen, die sichtlich nicht sicher sind, ob ihnen ein klares Nein später eventuell zum Nachteil gereichen könnte.
Mein erster Termin endet nach ein paar Stunden ergebnislos vor der Tür zur Konsularabteilung, ich möge doch in drei Tagen wiederkommen, um halb zwei, jemand werde sich dann gern meines Anliegens annehmen. Visa-Antragsformulare gäbe es keine, ich solle doch auf der Website des State Department einen elektronischen Antrag ausfüllen.
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Weil das mit meinem Galapgos-Trip eh auch noch in der Schwebe ist, vertreibe ich mir die Zeit also mit anderen Dingen. Ich lasse ein Foto beim etwas arg touristischen Mitad del Mundo machen, wo ich mit einem Fuß nördlich und mit dem anderen südlich des Äquators stehe, auch wenn der Äquator in Wahrheit 240m weiter ist. Aber das weiß ja dann keiner von denen, die das Foto sehen.
Ich lese die Bewohnte Frau von Gioconda Belli, noch ein weiteres Buch über den Panama-Kanal und eines über den islamisch-christlichen Krieg um das Mittelmeer (die Belagerung von Malta und so weiter).
Ich schlendere durch die Altstadt, erklimme den Uhrturm der Basilica del Voto Nacional über eine stetig waghalsiger anmutende Serie von schmalen Leitern und bewundere den Mut der einheimischen Liebespaare, die sich in schwindelerregender Höhe über den Dächern der Altstadt auf Simse an der Turmaußenseite setzen, um einander gegenseitig die Zungen in den Hals zu stecken. Ich würde mich ja dazusetzen, will aber das junge Glück nicht stören und setze meine endlosen Wanderungen anderorten fort.
Straßenhändler, Musikanten, Polizisten, aus mehreren Lautsprechern das mir bereits aus Peru bekannte und mittlerweile verhaßte El Condor Pasa in der Panflötenversion, die schon aus so manchem Mönch einen axtschwingenden Massenmörder gemacht hat, Touristen mit Kameras, Stadtplänen und Lonely Planets, Kinder, die Schokolade, Feuerzeuge und Zigaretten verkaufen und in bunte Tücher gewandete Indios, die ihre Handwerkskunst feilbieten füllen die Straßen, Gassen und Plätze zwischen den spanischen Kolonialbauten, Kirchen, Klöstern und Theatern.
“You’re the only honest American I’ver ever met”, lobt mich unvermutet ein junger Einheimischer in Motorradjacke und Lederhose anstatt eines Grußes.
Schlagfertig wie ich nun einmal bin, schleudere ich ihm ein eloquentes “Huh!?” entgegen. Er deutet auf mein T-Shirt, auf dem I never finish anyth zu lesen steht.
“But I’m from Austria”, entweicht mir ein Fendrich-Zitat, ehe ich es verhindern kann.
“That’s a shame, man.” Er geht weiter und lässt mich etwas perplex zurück.
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Das El Cafecito ist wie die meisten lateinamerikanischen Beherbegungsbetriebe in ausländischer Hand, aber trotzdem so nett, dass ich gerne meine sieben Dollar pro Nacht dortlasse. Die Atmosphäre des Cafes (Zimmer und Schlafsäle befinden sich im ersten Stock) erinnert mich ein wenig an das Kolar in Wien, wenn auch ohne Gewölbe und Fladenbrote, also eigentlich gar nicht wie das Kolar, aber irgendwie trotzdem.
Wie so oft, wenn ich länger an einem Ort verweile, wandelt sich die geschäftsmäßige Zurückhaltung der Einheimischen mit der Zeit zu so etwas wie ehrlicher Freundlichkeit; der Wasserflaschenverkaufsmann ums Eck plaudert mit einem Mal mit mir und erzählt mir von seiner Tochter, die nach Deutschland studieren gegangen ist, die Kellnerinnen kennen mich mit Namen (und vice versa) und zu meiner Verblüffung bekomme ich sogar einen Abschiedskuss von Romina, einer von ihnen, als ich nach einem Abendessen mit Valerie aus Tschechien und Julien aus Frankreich wieder nach oben gehe.
Julien ist offensichtlich in Valerie verliebt (und es ist so offensichtlich, dass Valerie das auch wissen muss, Frauen wissen sowas ja immer), aber Valerie erzählt eigentlich ständig nur von ihrem Freund zuhause. Die beiden fliegen auf die Galapagos-Inseln und Valerie fragt mich, ob ich nicht mitkommen will. Als ich ablehne, bin ich mit einem Mal Juliens bester Freund – auch etwas Schönes.
Meine SchlafsaalmitbewohnerInnen wechseln ständig, während die Tage dahinschleichen. Da ist Jordan aus England, der in zehn Wochen nach Argentinien und dann wieder nach Brasilien will, um von Rio heimzufliegen, aber seit zwölf Tagen in Quito festsitzt und nicht weiterkommt, weil es ihm hier so gut gefällt; da ist Jaqueline aus Deutschland, die ein Monat auf den Galapagos-Inseln in einem Kindergarten gearbeitet und dort nebenbei Tauchen gelernt hat (auf den Inseln, nicht direkt im Kindergarten), und da ist Isaac aus Israel, jetzt USA, der mit einem Motorrad von Kalifornien aus bis zur Südspitze Chiles fahren will, im zweiten Anlauf. Beim ersten Mal wurde ihm sein Motorrad in Mexiko gestohlen, sodass er wieder zurück musste, ein wenig arbeiten, um sich ein neues zu kaufen.
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Die Sicherheitsbeamten beim Metalldetektor und Röntgengerät in der Konsularabteilung der US-Botschaft kassieren meine Kamera ein und geleiten mich dann zu einem Schalter, vor dem ich zur Abwechslung einmal ein bisschen Schlange stehen darf. Was garnicht so schlimm ist, weil Louisa aus Mexiko, die ein Studentenvisum für ihren Sohn beantragen will, mir mit allerlei Anekdoten die Zeit vertreibt.
Ich habe mittlerweile auch nach bestem Wissen und Gewissen den Online-Visa-Antrag ausgefüllt und ausgedruckt und ein zugehöriges Bild in der verlangten Größe von 50×50 mm bei einem Fotografen anfertigen lassen (3 Dollar für zwei Abzüge), weil normale Passbilder, die ich ja eigens für solche Zwecke mithätte, sind den US-Behörden anscheinend zu schnöde. Es ist eines der wenigen Fotos von mir, die mir gefallen. Lustig finde ich den Hinweis auf dem Antrag, dass es nicht automatisch bedeute, dass ich kein Visum erhalten würde, wenn ich eine der vielen Fragen, von denen eine “Are you or have you ever been a member of a terrorist organisation?” lautet, mit Yes beantworte.
Ich gebe Antrag, Bild und Reisepaß ab und erkkläre der Dame hinter dem kugelsicheren Glas mein Begehr. Da müsse ich einmal 131 Dollar auf ein bestimmtes Konto bei einer bestimmten Bank einzahlen und mit der Einzahlungsbestätigung wiederkommen, dann würde mein Antrag binnen eines Monats bearbeitet. Mein Einwand, ich wolle aber bereits am 15. August in das Land von Freiheit und Coca Cola einreisen, löst allerdings nicht die von mir erwartete Welle der Hilfsbereitschat aus. Das könne ich dann bei meinem Termin mit dem Konsul vorbringen.
“But I’m not even sure that I really need a visa”, versuche ich es anders herum.
“So why did you fill out an application, then?”
Gute Frage. Ich erkläre das mit meinem Reisebüro. “As an Australien citizen you’re part of the visa waiver program and do not need a visa, if you haven’t stayed in the US for longer than 90 days”, teilt sie mir schließlich mit.
Ich bedanke mich für diese Information, gebe aber zu bedenken, dass sie für die vorliegende Situation nur von bedingter Relevanz ist, da ich… und ich bringe wieder das Fendrich-Zitat an. Obwohl ich natürlich nichts gegen Australien hätte, sicherlich auch ein sehr schönes Land.
“Well”, sagt sie unbeeindruckt, “that’s the same story, though. Austria is part of the visa-waiver program, right?”
Ich vermeine, mich verhört zu haben. “I hope so”, sage ich. Und erkläre das mit den 90 Tagen und dem Mittelamerikaaufenthalt und dem Reisebüro und dem anderen Reisenden, der in der gleichen Situation wie ich war, erneut.
Langsam verliert sie die Geduld mit mir. “I keep telling you, you don’t need a visa, sir. Is there anything else?”
Ob sie mir das vielleicht schriftlich geben könne, zur Sicherheit.
“We are not allowed to issue that kind of statement, sir. Please check the website of the State Department and the Department for Homeland Security for further information.”
Ob ich vielleicht mit dem Konsul sprechen könne.
“Do you have a PIN?”
Einmal mehr bringe ich nur ein Rufzeichen mit nachfolgenden Fragezeichen hervor.
Sie seufzt. Diese Ausländer, wirklich. Kein Wunder, dass es der Rest der Welt zu nichts gebracht hat und sie alle in die USA wollen. Aber sie ist das ja gewohnt, also schluckt sie ihre gerechtfertigte Verägerung hinunter und erklärt mir, dass ich bei obiger Bank um zwölf Dollar einen PIN kaufen müsse, mit dem ich dann telefonisch einen Termin beim Konsul beantragen könne. In zwei bis drei Wochen ungefähr.
Also gehe ich wieder. Kein Visum hat sie gesagt.
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Dear Mr. [xxx]:
Since you traveled outside of the U.S. (including neighboring countries, such as Mexico, Canada, Bahamas, Bermudas, etc.) and did not remain there for more than 90 days, you may use the Visa Waiver Program again.
Only if you would have remained in Mexico (as a neigboring country plus the U.S. for more than 90 days) you would not be eligible for Visa Waiver Program travel any more.
Please note, that in your as in all other cases, only the U.S.
immigration officer at the U.S. port of entry makes the final determination if and for how long any traveler is permitted into the U.S.
Sincerely,
Visa Unit
Consular Section
U.S. Embassy Vienna, Austria
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Mein Reisebüro ist trotzdem nicht überzeugt.
Sehr geehrter Herr [xxx],
ich habe leider auch schon die unterschiedlichsten Infos von der Botschaft diesbezüglich erhalten. Auf folgendem Link wird jedoch darauf hingewiesen, dass man ein Visum beantragen muss wenn nach Einreise USA, zwischenzeitlicher Ausreise nach Mexico und nochmaliger Einreise mehr als 90 Tage liegen:
http://www.usembassy.at/de/embassy/cons/niv_waiver.htm (ziemlich weit unten)
Hoffentlich wissen das die Herrschaften beim Check-in nicht denn mit dem Visum beantragen wird es zeitlich wahrscheinlich knapp werden.
Ich wünsche Ihnen jedenfalls viel Glück!
Mit freundlichen Grüßen
[xxx]
