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Ein Strand- und Sonnennachtrag
08. September 2008 von Matthias

Weil das neuseeländische Frühlingswetter eher winterlich einherstürmt, kommt ihr in den Genuss einer Fotogalerie zu den Fidschi-Inseln, die ich zusammengestellt habe, während ich versuche, an ernsthaften Dingen wie Abrechnungen und Provisionen zu arbeiten.

Da es bei den bisherigen Galerien diesbezüglich zu einiger Verwirrung gekommen ist, möchte ich noch einmal betonen, dass ihr, nachdem ihr mit Next, Next, Next usw. die ersten 20 Bilder durchgeklickt habt, auf die nächste Seite wechseln müsst, um die übrigen Bilder ansehen zu können. Umständlich, ich weiß, aber die Software ist auch nicht von mir, da will ich mal nicht zu viel erwarten.

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Israelische Begegnungen
04. September 2008 von Matthias

Caqalai - nicht nur eine weitere Tropeninsel„Let’s talk about politics.”

Maháyan ist vierundzwanzig, aus Israel und – in ihren eigenen Worten – fundamentalistische Zionistin, was uns, wenn schon nicht an diametral entgegen gesetzten Enden des politischen Spektrums, so doch zumindest in deutlicher Entfernung voneinander positioniert. Wir sitzen am Strand der winzigen Insel Caqalai, die verwirrenderweise „Thangelay” ausgesprochen wird, fünfundvierzig Bootsminuten von Levuka entfernt. Einmal mehr bestimmen Palmen, weißer Sand und türkisblaues Meer die Szenerie; unter Reisenden in diesen Gefilden grassiert ja das sogenannte ATI-Syndrom (Another Tropical Island Syndrome). „Beach, coconuts, sunsets, great food? Aw, just another boring tropical island!”

Der Strand von CaqalaiDiese besondere tropische Insel lässt sich zu Fuß in fünfzehn Minuten umrunden. Einige traditionelle bures und dormitories in einfachen, lichten Holzhäusern zwischen den Palmen, ein dive shop, ein Generator für die Abendstunden und einige Tische in einer überdachten Laube, wo gemeinsam gegessen, gesungen, musiziert und kava getrunken wird und fertig ist eines der idyllischsten und billigsten Resorts auf den Fidschi-Inseln. Dass kein Alkohol ausgeschenkt wird, weil es von der Methodistenkirche betrieben wird, stört eigentlich kaum; wer will, darf sein ganz persönliches Gift gern selbst mitbringen.

„Let’s talk about politics”, sagt Maháyan also.

„Let’s not”, sage ich, „you might not like me anymore if we did.”

„You’re right, I probably won’t.” Sie sieht mich einen Augenblick an. „But, hey, what the hell. Let’s do it.”

Also machen wir’s.

* * *

Simone und Georg aus dem letzten Beitrag und ich sind zwar gemeinsam aus Levuka hierher gekommen, aber weil am ersten Abend Maháyan und ich die einzigen Alleinreisenden unter den Gästen sind, sitzen wir beim Essen zu zweit an einem der kleinen Tische und stellen beim üblichen Versuch, leichte Konversation zu machen verblüfft fest, dass wir uns eigentlich durchaus einiges zu sagen haben.

Maháyan macht Frühstück in Nananu-i-Ra, nicht Caqalai„I’m a pothead”, erzählt sie, „I came here to try to get away from it. I used to be a vegetable all day; and I was getting paranoid. I’m trying to read a book now instead.” Bei dem Buch handelt es sich die Biographie des Sängers der Red Hot Chilli Peppers. „Isn’t he really hot?” fragt sie mich, auf den halbnackten Mann auf dem Buchumschlag deutend. „And he’s not only a pothead, he’s doing shitloads of drugs. I like it. The book, I mean.”

Als ich ihr zeige, dass entgegen anderslautenden Auskünften von ihren Freunden noch genug freier Platz auf ihrem iPod nano ist, und ihr bestätige, dass ich aus weiß, wie sie neue Musik draufspielen kann, fällt sie mir um den Hals und ruft „I love you!”. An den übrigen Tischen versuchen die anderen Gäste so zu tun, als ob wir nicht komplett verrückt wären.

„Can you put some of your music on there?” fragt sie.

„I could, but you probably wouldn’t like it. Even when I was your age, my friends used to tell me that my taste in music was old-fashioned and boring. And I’m afraid it hasn’t changed all that much.”

„How old are you? … Wait, let me guess. Usually, I’m really good at this. You’re probably between 27 and 29, most likely 28.”

„You’re wrong.”

„26?”

Ich fühle mich geschmeichelt.

„What do you listen to, then?” fragt sie später.

„Dylan, Springsteen, Neil Young, Leonard Cohen…”

„Are you kidding me? Leonard Cohen is a fuckin’ genius. And I’ve got lots of Bob Dylan on my iPod as well.”

Und damit ist das Eis dann endgültig gebrochen.

* * *

CaqalaiGeorg liegt am darauffolgenden Tag mit hohem Fieber im Bett und ist nicht einsatzfähig, weshalb Simone, Maháyan und ich uns die Zeit damit vertreiben, am Strand zu liegen, Musik mit Maháyans kleinen tragbaren Lautsprechern zu hören und bei Ebbe zur Nachbarinsel, Snake Island, zu waten. Maháyan ist aufgeweckt und rastlos, fürchtet sich vor Seesternen und Schlangen und tänzelt unruhig zwischen den algenbewachsenen Steinen im kniehohen Wasser umher.

„Is this dangerous?” fragt sie mehr als einmal, oder „Can I touch this? Do you think it will hurt me?”. Sie ist leicht zu begeistern, und wenn ihr etwas gut gefällt, ein kleiner Seestern zum Beipsiel, sagt sie „This is awesome”, bei besonders beeindruckenden Sehenswürdigkeiten, einem großen, blauen Seestern etwa, „This is fucking awesome”, ein Superlativ, mit dem sie die wirklich großartigen Erlebnisse und Menschen in ihrem Leben adelt.

„You’re talking about me now, I know it”, sagt sie, als Simone und ich ein paar Sätze auf Deutsch wechseln.

„You really are paranoid”, sage ich, verwundert.

„I told you. It’s all this weed.”

Simone und Maháyan auf dem Weg nach Snake IslandManchmal ist sie ein wenig wie ein Kind, „So, what do you want to do now?” fragt sie mich mindestens zehnmal, in anderen Momenten, wenn sie von zuhause oder von ihren Reisen erzählt – zur Zeit lebt und arbeitet sie in Melbourne, um sich die nächste Etappe, die sie im Jänner nach Indien führen soll, finanzieren zu können – ist sie ernst und nachdrücklich.

Dass ich vor einigen Jahren im Iran war, den sie für den Inbegriff des Bösen und für brandgefährlich hält, fasziniert sie endlos; dass ich mich weigere, die Iraner pauschal als fundamentalistische Judenhasser hinzustellen, ist ein Charakterfehler, den sie mir großzügig vergibt.

* * *

Die 30jährige Sharon aus Irland, die mit einem der Einhemischen verheiratet ist, betreibt den dive shop auf Caqalai. Es gelingt mir, Simone, die seit acht Jahren nicht mehr tauchen war (und auch damals nur einen halben Tauchkurs auf der Universität gemacht hat), trotz der für sie, die sie am absoluten Ende ihres Weltreisebudgets angelangt ist, ziemlich hohen Kosten, zu einem Tauchgang zu überreden. Auf ihrer gesamten Weltreise habe sie sich nicht wirklich getraut, aber wenn ich mitginge – wir würden uns ja nun doch schon fast eine Woche kennen – dann würde sie sich etwas sicherer fühlen.

Also machen wir’s.

„Das war das Beste überhaupt”, sagt Simone später zu Georg, der immer noch krank ist.

Sharon und ich (Sharon mag ich auch auf Anhieb, weil sie ebenfalls ihrer Verwunderung darüber Ausdruck verliehen hat, dass ich tatsächlich älter bin als sie: „But you look so young!” – bei mir lässt es sich leicht einschmeicheln) gehen noch einmal tauchen, zu Neptune’s Playground, wo wir Seeschildkröten, Barracudas, einen tanzenden Spanish Dancer und einen riesigen Maori Wrass sehen (wie auch immer der auf Deutsch heißen mag). Neben den auf Fidschi allgegenwärtigen bunten Korallen natürlich, die allein schon einige seitenlange Lobeshymnen wert wären.

Wie sich herausstellt war das Sharons eintausendster Tauchgang, aber wir haben nicht einmal Alkohol, um anzustoßen.

„He was in Iran”, erzählt Maháyan meiner Tauchpartnerin, immer noch ungläubig, „He’s fucking awesome.”

* * *

Essen auf CaqalaiAls ich von meinen Israel-Erlebnissen erzähle, trete ich prompt in ein weiteres Fettnäpchen, die ich im Umgang mit Maháyan anscheinend beim besten Willen nicht vermeiden kann. Auf die Frage, ob mir Jerusalem gefallen habe, berichte ich, ich sei derartig beeindruckt gewesen, dass ich freiwillig aus Tel Aviv noch einmal mit einem öffentlichen Bus zurückgefahren wäre, um es mir noch einmal anzusehen.

„I would never go on a public bus”, sagt sie. „Too dangerous.”

„Well, the bus wasn’t the problem. But it was full of young Israeli soldiers, laughing and making a lot of noise. And the fact that every single one of these teenagers had a loaded machine gun in their hands was kinda scary.”

„They weren’t scary”, sagt sie verärgert, „they protected you. I spent two years in the IDF” (Israeli Defense Force) „protecting my country from terrorists, myself.”

Immerhin bekomme ich in der Folge eine Menge wirklich interessanter Geschichten aus ihrer Zeit beim israelischen Armeegeheimdienst zu hören. Da sitzen wir also, vor dem Hintergrund eines malerischen Sonnenuntergangs, und dieses fragile Mädchen mit den wirren Locken hat in so vielen Bereichen mehr Lebenserfahrung gesammelt als ich. Und egal, ob sie von endlosen Arbeitstunden vor den Monitoren der Satelitenüberwachung berichtet oder von Elektronik-Musikfestivals in Sinai, auf den Golan-Höhen oder in Griechenland, von Neuseeland, Thailand oder von ihren beschissenen Jobs in Australien, von ihrer Familie und ihren Beziehungen, davon wie es war, als Kind Saxophon zu lernen, und natürlich von Drogen, ihre bedingungslose Ehrlichkeit macht es mir leicht, ihr meinerseits aus meinem Leben zu erzählen.

* * *

Sonnenuntergang auf Nananu-i-RaEigentlich wollte ich ursprünglich nach Pacific Harbour, um dort mit den Haien zu tauchen (die werden in 30m Wassertiefe vor den sensationsgeilen Touristen gefüttert, eine Praxis, der ich sowieso mit gemischten Gefühlen gegenüberstehe), aber Simone und Georg überreden mich, mit ihnen nach Nananu-i-Ra zu fahren, obwohl das quasi gegenüber von Volivoli-Beach liegt, wo meine Fidschi-Abenteuer ihren Anfang genommen haben.

„If you’re coming, I’ll go on another dive with you”, verspricht Simone. Wir reden die meiste Zeit über Englisch, obwohl sie und ihr Freund aus Deutschland sind, damit Maháyan uns versteht.

Seien wir einmal ehrlich: wer bin ich, dass ich ablehnen könnte, wenn so nett nach meiner Gegenwart verlangt wird?

Also machen wir’s.

Maháyan kommt auch mit.

* * *

Wir liegen in einer Hängematte am Strand und ich frage sie, wie auch sonst immer, ob ich in diesem Blog von ihr erzählen darf. Und so schwer es mir manchmal auch fällt, wenn jemand nein sagt, dann verschweige ich sie oder ihn auch; irgendwann muss ich ein paar dieser Geschichten zumindest für mich selbst aufschreiben, ehe ich sie vergesse.

„But what do you want to write about me? She knows nothing, she’s never studied anything? She’s a pothead and keeps forgetting stuff?” Sie wirkt ernsthaft verblüfft. „She lives in a shitty room in Melbourne and does shitty jobs? I’m a cleaning lady, for fuck’s sake.

„I don’t know yet”, antworte ich. „I’ll think of something.”

Sie zögert. „Okay, then”, sagt sie. „Write about me. But first, let me delete the pictures of me I don’t like. Because with all these hot boys in Germany and Austria, I can’t allow you to post any pictures where I’m making a face or something.”

* * *

SimoneAuf dem Tauchgang in Nananu-i-Ra sehen Simone und ich zwar keine großartigen Fische wie Haie oder Barracudas, aber es ist trotzdem der vielleicht beste meiner kurzen Taucherkarriere (wenn wir das Wracktauchen einmal ausklammern) – und zwar einfach deshalb, weil das goldene Nachmittagssonnenlicht in der geringen Wassertiefe von maximal 18 Metern, in der wir uns aus Rücksicht auf ihre mangelnde Erfahrung bewegen, ein geradezu unglaubliches Märchenpanorama aus leuchtenden Farben aus den Korallenriffen hervorzaubert. Diese Farben würden mich bei einem Film dazu veranlassen, an den Einstellungen des Fernsehers herumzudrehen, was wieder einmal eindrucksvoll beweist, dass die Natur doch das bessere Photoshop ist. Wir tauchen durch Tunnel im Riff, durch deren Spalten die Sonne mit gelben Schleiern durch das tiefblaue Wasser weht.

„Das war das Beste überhaupt”, erzählt Simone ihrem Freund, der zwischenzeitlich nach einer kurzen Regerationsphase wieder erkrankt ist, und sich Sorgen macht, aus Südostasien Malaria mitgebracht zu haben.

„Das hast du letztes Mal schon gesagt”, entgegnet er.

„Schon, aber diesmal war es echt das Beste.”

Maháyan in Nadi vor ihrem Flug* * *

„I’m not good with good-byes”, sagt Maháyan in Nadi, bevor sie zum Flughafen fährt, „so… I’ll just go.”

Und das macht sie dann auch.

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Lesen in Levuka
28. August 2008 von Matthias

Beach Street in LevukaHier passiert nicht viel. Levuka mit seinen dreitausend Einwohnern sieht ein bisschen aus wie die Kulisse aus einem Western und ich verbringe meine Tage mit so aufregenden Risikoaktivitäten wie Nichtstun, Lesen, Herumlungern, Plaudern und dem traditionellen Klassiker des Reisens, In-der-Gegend-Herumschlurfen. Die über zahlreiche Hügel verstreute Siedlung im Norden mit ihren steilen Pfaden, Palmenhainen, Wäscheleinen, spielenden Kindern und in der Sonne sitzenden Katzen hat es mir besonders angetan.

Wir spielen und trinkenIn Mary’s Holiday Lodge, wo wir wie bei einer Gastfamilie wohnen, bin ich auf ein paar andere Langzeitreisende getroffen (wir sind, im Vergleich zu Andy aus England, der seit fünfzehn Jahren unterwegs ist, ja alle gerade mal auf einem Wochenendtrip), und wir kochen gemeinsam vegetarische Abendessen, spielen Karten und Würfelpoker bis tief in die Nacht und trinken sechzigprozentigen Rum mit Cola.

Nochmal LevukaLetzteres ist, möchte die Leserschaft den üblem Verleumdungen böser Zungen Glauben schenken, auch dafür verantwortlich, dass aus meinem geplanten Tauchen in der Wakaya-Passage nichts wird; meine Version der Geschichte ist allerdings eine andere: Ich beschließe, lieber etwas umsichtiger mit meinen Finanzen umzugehen, Neuseeland wird schließlich auch nicht billig. Die Tatsache, dass ich übernächtigt und ein wenig verkatert bin, spielt bei meiner Entscheidung, diese Tauchgänge ausfallen zu lassen, allenfalls eine untergeordnete Rolle. Ist doch gleich um einiges glaubwürdiger, oder?

Simone und Georg aus Deutschland, deren Weltreise-Jahr sich dem Ende des zwölften Monats zuneigt, versuchen, mir den kommenden Vietnam-Aufenthalt madig zu machen; das Land wäre zwar durchaus schön, aber die Leute wären mühsam und dauernd würden sie versuchen, ahnungslose Touristen zu übervorteilen und auszurauben, es sei eine unsägliche Anstrengung gewesen.

Zwei japanische Touristen fangen FischeNun ja. Ich nehme mir vor, ihre Warnungen zwar nicht in den Wind zu schlagen, aber auch nicht allzu tragisch zu nehmen und hoffe, dass meine – unsere – Erfahrungen andere sein werden.

* * *

Stay away from  my bazooka / I paranoid – you dead. Mit diesen Zeilen aus Death Kills eröffnet die Berliner Band Element Of Crime den Soundtrack zum Film Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe von Leander Hausßann, dem Regisseur von Herr Lehmann. Herr Lehmann war ja die äußerst erfolgreiche Verfilmung des gleichnamigen Romans von Sven Regener, der wiederum Sänger, Trompeter, Texter und Mitkomponist von Element Of Crime ist. Und auch wenn der Rest des Soundtracks zum neuen Film von durchaus hörenswert (Der Boxer von Vladimir Vissotski) bis hin zu Reden-wir-lieber-nicht-drüber (Lexy & K Paul oder Amos) variiert, so rechtfertigen allein die vier neuen Songs und die vier Instrumentals des kiminellen Elements die Anschaffung, vom melancholischen Über Dir Der Mond bis hin zum flotten Country von Robert und Monika.

Nun werde ich den Streifen so bald wahrscheinlich nicht sehen können, also kann ich nicht mit Sicherheit sagen, warum der Protagonist ausgerechnet den Geburtsnamen des größten amerikanischen Songwriters unserer Tage trägt (die Inhaltsangabe auf der offiziellen Website lässt diesbezüglich nichts verlauten), doch wie der Zufall es so will, bringt eben dieser Held des handgemachten Liedguts, der Weltöffentlichkeit besser unter seinem derzeitigen Namen Bob Dylan bekannt, Anfang Oktober Teil 8 seiner sogenannten Bootleg Series (Tell Tale Signs) heraus, randvoll mit bisher unveröffentlichten Nummern aus den Aufnahmen zu seinen letzten vier Studioalben*. Nun war Bob Dylan noch nie das, was Opernkenner gemeinhin als Sangestalent bezeichnen würden, sein charakteristisches Näseln hat oft genug dafür gesorgt, dass andere mit seinem Liedgut erfolgreicher reüssieren konnten als er selbst – dabei zeichnet der gute Mann neben Klassikern wie Blowin’ In The Wind, Like A Rolling Stone, Mr. Tambourine Man, A Hard Rain’s A-Gonna Fall, Just Like A Woman, Chimes Of Freedom und Knockin’ On Heaven’s Door für einige hundert der feinstgeschliffenen Songperlen verantwortlich, die je in die Rillen einer Schallplatte gepresst worden sind.

Mit dem Beginn der Achtziger und dem steigenden Konsum von Zigaretten und Alkohol verkam seine Stimme dann aber endgültig zu dem, was wir heute auf seinen Alben zu hören bekommen – er singt längst nicht mehr, sondern quakt, röchelt, näselt, flüstert und raunzt sich durch seine Songs, dass den uneingeweihten HörerInnen kalte Schauer über den Rücken rinnen und Tränen des Mitleids in die Augen steigen. Seit 1989 auf einer nicht enden wollenden Welttournee, die bezeichnenderweise Never Ending Tour heißt, spielt er heute, das Publikum keines Blickes würdigend, über sein elektrisches Klavier gebeugt, weil die Arthritis in seinen Fingern ihm sogar sein Markenzeichen, die Gitarre, verleidet hat.

Anders als viele seiner Zeitgenossen hat er in seinem Alterswerk im letzten Jahrzehnt, wenn schon nicht die bekanntesten, so doch einige seiner besten Arbeiten abgeliefert – wer beim Anhören von Tryin’ To Get To Heaven (Before They Close The Door), Not Dark Yet oder Love Sick vom 1997’er Album Time Out Of Mind keinen Kloß im Hals bekommt, wie unsere germanischen Nachbarn es ausdrücken würden, dem kann wohl nicht mehr geholfen werden. Und mensch zeige mir eine wundervollere Liebeserklärung als das hingeröchelte Make You Feel My Love, die nicht von Leonard Cohen geschrieben worden ist, und ich… nun, keine Ahnung, dass können wir uns ja dann überlegen. Oder einen abgeklärteren Protestsong als Workingman’s Blues #2 von Modern Times (2007).

Mag ein bekannter deutscher Gutmenschen-Balladensänger von seinem Thron über den Wolken aus in einem seiner Lieder auch abfällig über Dylans Auftritt vor dem Papst in den Neunzigern geätzt haben „Und der alte Rebell / der nie müd’ wurde, zu streiten / Mutiert zu einem servilen, giftigen Gnom / Und singt lammfromm vor dem schlimmen, alten Mann in Rom seine Lieder / Fürwahr, es ändern sich die Zeiten“; jemand, dem es so mühelos gelingt, mir auch noch beim hundertsten Anhören von Standing In The Doorway (ebenfalls auf Time Out Of Mind zu finden) das Herz zu brechen, der verdient meine Bewunderung – und meine Euronen für die limitierte Luxusedition von Tell Tale Signs die nicht nur zwei, sondern ganze drei CDs enthalten wird.

Soundtrack-CoverElement Of Crime, die wie so gut wie jede andere Band, die etwas auf sich hält, den Meister in ihren Konzerten bereits mehrfach gecovert haben (zuletzt etwa mit It’s All Over Now, Baby Blue), spielen auf dem Song Robert Zimmermann – und damit schließen wir den Kreis und landen wieder beim neuen Haußmann-Film – mit der sicher nicht zufälligen Namensgleichheit. Die Wasser des Lebens sind reißend und trüb, heißt es da, Mutter und Vater haben dich lieb / Doch du weißt / Dass man nicht einfach dreist / Und ungestraft Robert Zimmermann heißt.

* Die beiden Folk-Cover-Alben aus den Neunzigern nicht mitgerechnet.

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