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01. Juli 2008 von Matthias

Costa Rica vom Bus aus…Worüber bloggen?

Vielleicht über den pensionierten weltreisenden Inder aus dem muffigen Schlafsaal des Hostel Pangea, der mit Costa Rica sein mittlerweile fünfzigstes Land besucht (“My name is Ebenezer Israel, though I am a Christian”) und mir Reisetipps für Neuseeland, Vietnam (“It’s going to be cold in Hanoi in October”) und Indien gibt? Ich könnte den Beitrag dann Indische Begegnungen III nennen.

Oder über San José, passenderweise angefüllt mit Skulpturen verrückter Kühe, US-amerikanischen TouristInnen, McDonald’s, Wendy’s, Burger King und das, alles in allem. wie eine US-Kolonie wirkt, zumindest im Vergleich zu Nicaragua?

Oder über Cártago, von dem ich im Übrigen nicht meine, dass es unbedingt zerstört werden müsse? Von der Basilica de Nuestra Señora de Los Angeles, der berühmten Pilgerstätte in dieser ehemaligen Hauptstadt?

Oder über die Ironie, dass ich, kaum nachdem ich beim Telefonieren mit Skype zum Thema Wie und wo ich andere Reisende kennenlerne noch behauptet habe, dass Busbahnhöfe generell kein idealer Ort seien, um Kontakte zu knüpfen (zu chaotisch, zu laut, zu viel Stress), beim Warten auf den Bus nach Santa Elena (Monteverde) mit Claudia aus Holland ins Gespräch komme und wir letztlich gemeinsam auf Zimmersuche gehen und durch die dortigen Nationalparks wandern?

Zip Lines - Adrenalinshub garantiertOder über die Ziplines von Monteverde Extremo, absolut sinnfreier Adrenalinschub, hunderte Meter lange Kabel, mit deren Hilfe wir, in einer Art Harnisch hängend mit etwa 50 Stundenkilometern hunderte Meter über und durch den Nebelwald rauschen, die Bäume entweder spielzeuggroße, verwaschene Schemen unter uns oder eine grüne Mauer zu beiden Seiten, den Wind in den Ohren, Achterbahnfahren nichts dagegen? Über den Tarzan Swing, an einem 30 Meter langen Seil durch den Urwald schwingen, mit einer Gruppe aufgeregt plappernder US-Amerikaner, die Costa Rica für den Gipfel des Hardcore-Backpacking halten?

Ich könnte natürlich auch von Angela und June erzählen – June an accident waiting to happen, klein, zart, naiv, süß, mit einem gewaltigen Koffer “backpacken”, den sie nicht einmal heben kann, jedem ihr uneingeschränktes Vertrauen schenkend, und Angela, die mit leuchtenden Augen und voller Begeisterung von ihrem Job erzählt – “I am making guitars, acoustic guitars” – und eine der wenigen Personen ist, die wirklich, wirklich ihre Berufung gefunden zu haben scheinen. “Don’t get me wrong”, lacht sie, nachdem sie uns eine gute Stunde vom Biegen des Holzes, vom Anfertigen des Halses und anderen Tätigkeiten erzählt hat, von ihrer ersten Gitarre, für die sie drei Monate gebraucht hat, davon, dass, wenn sie das fertige Instrument zum ersten Mal spielt, es zum Leben erwache (“That’s how it must feel to have kids, I guess”), die also “don’t get me wrong”, sagt, “there’s lots of boring stuff, too. There’s lots of sanding, for example.”

Sie trinkt einen Schluck Bier. “Although I like sanding.”

Manuel AntonioJa, davon könnte ich bloggen. Oder von Manuel Antonio, diesem Strand-Palmen-Dschungel-Wasserfallparadies an der Pazifikküste?

Wenn ich die negativen Seiten etwas mehr herausstreichen wollte, würde ich nicht unerwähnt lassen, dass die Regenzeit mich nun endlich eingeholt zu haben scheint – nicht nur, dass es jeden Tag regnet (was ja noch zu ertragen wäre, wenn es nur ein oder zwei Stunden sind), nein, ganze Nachmittage und Nächte gießt und schüttet es. Ich würde kurz anklingen lassen, dass die Sonne sich meist nur dann hervcortraut, wenn ich sowieso gerade im Bus sitze, was allerdings nicht ganz stimmen würde. Der heutige Tag am Strand, dessen Höhepunkt in einem kleinem Jungen bestand, der mir voller Stolz eine etwa 5 Zentimeter durchmessende lebende Spinne geschenkt hat, war heiß und sonnig.

Auch den Versuchen der diversen Taxifahrer, uns zu übervorteilen und zu belügen will ich eigentlich nicht wirklich Platz und Zeit widmen, das ist beim Reisen in diesen Gegenden halt einfach so.

Nein.

Ich glaube, ich muss noch einmal darüber nachdenken, worüber ich diesmal schreiben will.

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